Veröffentlicht am 01. April 2021

Wissen & Lernen: Corona

Seit mehr als einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem. Es haben sich Fakten herausgebildet, aber nach wie vor kursieren Spekulationen: über den Verlauf der COVID-19-Erkrankung, über Komplikationen, Spätfolgen, Langzeitschäden.

Zuverlässige Studien dazu gibt es noch nicht. Professor Dr. Sven Gläser, Chefarzt für Pneumologie und Infektiologie im Vivantes Klinikum Neukölln und gleichzeitig Pandemie-Beauftragter bei Vivantes, berichtet aus der Praxis.

Herr Professor Gläser, welche Symptome zeigen die mit einer SARS-CoV-2-Infektion eingelieferten Patient*innen?

Sie sind zumeist schwer krank, leiden unter Luftnot, Fieber und Husten, sind sehr erschöpft. Dabei handelt es sich nicht immer um multimorbide Patient*innen mit mehreren Vorerkrankungen. Wir erleben, dass sich das Virus auf ein breites Spektrum an Patient*innen verteilt, und versorgen daher Menschen aus allen Altersgruppen. Unsere Erfahrung zeigt: Jüngere Patient*innen haben bessere Prognosen. Erkrankte unter 50 Jahren versterben nur selten.

Wie verläuft die Erkrankung?

In erster Linie beobachten wir zwei Verläufe: Bei der einen Patient*innengruppe verbessert sich der Zustand nach etwa drei bis fünf Tagen. Die Erkrankten haben dann kein Fieber mehr und können nach Hause entlassen werden. Bei der zweiten Gruppe nimmt die Kurve eine andere Richtung. Bei diesen Patient*innen beginnt zwischen dem zehnten und zwölften Tag nach Einsetzen der Symptome eine kritische Phase. Der Großteil von ihnen bekommt dann eine schwere Lungenentzündung, die wir als COVID-Pneumonie bezeichnen. Sie geht mit einer Ateminsuffizienz einher. Die Patient*innen können schlecht atmen und brauchen zusätzlichen Sauerstoff. Abgesehen von Pneumonien zeigen sich in seltenen Fällen verschiedene weitere Symptome: krankhafte Hautveränderungen, Thrombosen oder auch ein Organversagen, zum Beispiel der Lunge, Leber oder der Nieren.

Welche Therapien setzen Sie ein?

Die schwer an COVID-19-Erkrankten brauchen eine intensivmedizinische Behandlung. Bei schwerer Ateminsuffizienz erhalten sie im ersten Schritt eine Highflow-Sauerstofftherapie. Über eine Sonde bekommen sie dabei ein Gemisch aus Raumluft und Sauerstoff. Vom weiteren klinischen Verlauf hängt ab, ob eine künstliche Beatmung erforderlich ist und die Patient*innen in Bauchlage positioniert werden müssen. Im Gegensatz zu einer klassischen Lungenentzündung können wir die COVID-Pneumonie nicht mit Antibiotika behandeln. Auch in der Dauer, dem Verlauf und den Röntgen- und CT-Befunden zeigen sich deutliche Unterschiede. Im Durchschnitt behandeln wir in den Vivantes Kliniken die COVID-19-Patient*innen elf Tage lang. Wenn sie künstlich beatmet werden müssen, ist der Klinikaufenthalt häufig wesentlich länger.

Welche Folgeschäden können nach einer COVID-19-Infektion auftreten?

Auffällig ist, dass die klinisch behandelten und somit schwer erkrankten Patient*innen meist mehrere Wochen benötigen, um sich zu erholen. Sie leiden lange unter einem unangenehmen Husten, sind nicht leistungsfähig und schwach. Mehr als drei Wochen nach ihrer Entlassung klagen viele nach wie vor über Luftnot. Darüber hinaus kann es auch lange nach der Akuterkrankung noch zu COVID-19-bedingten Thrombosen oder Lungenembolien kommen. Da man in keiner Weise voraussagen kann, in welcher Form und wann sich die Spätfolgen zeigen, sollten ehemalige Patient*innen unbedingt nach drei bis sechs Monaten in eine ambulante Nachsorge beziehungsweise Kontrolle gehen.

Können Sie bereits einschätzen, ob es Langzeitfolgen geben wird?

Ein Teil der Patient*innen wird vermutlich Residuen, also Restbefunde, in der Lunge behalten. Derartige Erfahrungen haben wir zumindest beim SARS-CoV-2-Virus gemacht. Ob auch nicht beatmete Patient*innen mit Lungenfunktionsproblemen und Gewebeveränderungen zu kämpfen haben werden, ist nicht voraussagbar. Es ist durchaus möglich, dass die Entzündung auch hier langfristige Spuren zum Beispiel im Lungengewebe hinterlässt. Dies ist zu diesem Zeitpunkt aber noch Spekulation.

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