Veröffentlicht am 21. Februar 2019

Schneller aufstehen, besser genesen

Mit dem „Fast Recovery“-Konzept, das am Vivantes Endoprothetikzentrum Bezirk Schöneberg-Tempelhof umgesetzt wird, werden Patientinnen und Patienten mit neuen Hüft und Kniegelenken rasch wieder mobil.

Wer sich für ein neues Hüft- oder Kniegelenk entscheidet, hat oftmals seit vielen Jahren Schmerzen. Um die Beschwerden nach Einsetzen der Prothesen gering zu halten und eine gute Rehabilitation zu ermöglichen, hilft keine Bettruhe – im Gegenteil: Die Patientinnen und Patienten sollten nach der Operation so schnell wie möglich wieder in Bewegung kommen. „Bei uns stehen sie in der Regel bereits am ersten Tag nach der Operation schon wieder auf, dabei werden sie von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten unterstützt und angeleitet“, sagt Dr. Heiko Spank, Chefarzt der Klinik für Spezielle Orthopädische Chirurgie und Unfallchirurgie am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum, die zum Endoprothetikzentrum gehört. Das Konzept, nach dem er arbeitet, nennt sich „Fast Recovery“ – das steht für „schnelle Genesung“, und „schnell“ ist hier auch gleichbedeutend mit „besser“: „Je früher man nach so einer OP wieder auf den Beinen ist, desto besser kann sich der Körper erholen“, erklärt der Chefarzt.

Kein Notfall – sondern Wahleingriff

Wenn Operierte mehrere Tage im Bett liegen, belaste das laut Dr. Heiko Spank den Kreislauf und schwäche die Muskeln. Aber auch die Psyche spielt eine Rolle: „Den Aufenthalt in einer Klinik verbinden viele Menschen mit Kranksein, und sie fühlen sich dann auch so.“ Sie denken, sie bräuchten vor allem Ruhe und Schonung. Dabei bietet gerade eine kurzfristige Mobilisation die Chance, schneller und mit mehr Kraft in den Alltag zurückzufinden.

Hier ist ein Umdenken nötig. Patientinnen und Patienten mit starkem Verschleiß an den Hüft- oder Kniegelenken haben einen hohen Leidensdruck: „Aber die OP ist kein Notfall, sondern ein Wahleingriff. Sie entscheiden sich bewusst dazu, ein Gelenk künstlich ersetzen zu lassen, weil ihre Lebensqualität eingeschränkt ist“, betont Dr. Heiko Spank. Dazu komme, dass seine Patientinnen und Patienten in der Regel körperlich gesund sind. „Das mache ich in den Vorgesprächen sehr deutlich, damit sie verstehen, dass sie nach der OP direkt wieder mobil sein können und auch sein sollten.“

Sanfte Narkose – schonendes Operieren

Vor der Operation stehen mehrere Termine an, in denen der Chefarzt und sein Team die Patientinnen und Patienten auf die Zeit danach vorbereiten. „Dabei findet auch eine präoperative Physiotherapie statt, bei der sie schon mal Stützen ausprobieren – so wissen sie, wie es sich anfühlt, sie zu benutzen und damit zu gehen.“ Die Narkose ist ein weiterer, ganz wichtiger Faktor für eine möglichst rasche Erholung: „Wir arbeiten mit möglichst sanften und gut verträglichen Mitteln und ziehen beispielsweise die Anästhesie über das Rückenmark einer Vollnarkose vor.“ Gleichzeitig sei eine gute Schmerzmedikation unerlässlich: Die Patientinnen und Patienten sollen keinerlei Schmerzen spüren.

In Zukunft können sie während der OP zusätzlich Videobrillen tragen – sie sorgen für Ablenkung und Entspannung. „Es soll insgesamt eine Atmosphäre herrschen, in der sich die Patientin oder der Patient wohlfühlt“, berichtet Dr. Heiko Spank. „Denn das kann sich weitreichend auf die Erholungszeit auswirken.“ Auf all diese vorbereitenden Maßnahmen folgt ein möglichst schonendes Operieren: „Wir arbeiten gewebeschonend und blutarm, um die besten Voraussetzungen für eine schnelle Mobilisation zu schaffen.“ Dazu werden minimalinvasive Methoden genutzt und Medikamente zur Blutstillung eingesetzt. „Die Erfolge sind messbar: Die Transfusionsraten bei den rund 700 Patientinnen und Patienten, die wir pro Jahr endoprothetisch versorgen, liegt heute bei nur circa 2 Prozent. In der Vergangenheit waren es noch etwa 40 Prozent“, so der Mediziner. „Wir verzichten auch weitestgehend auf Drainagen, denn diese erhöhen nicht nur die Infektionsgefahr, sondern würden den Operierten auch stärker das Gefühl vermitteln, dass sie krank seien.“

Gute Planung und Nachsorge

Wenn die Operierten die Klinik verlassen, sind sie in der Lage, auf einer Ebene sowie auf Treppen sicher zu laufen. Es folgt eine Rehabilitation von etwa vier bis fünf Wochen, die durch gute Planung nahtlos anschließen kann: „Wir informieren schon einige Wochen vor der OP den Sozialdienst, der einen Behandlungsplatz sichern kann.“ Nach der Reha können die Behandelten dann in der Regel ihren Alltag wieder gut bewältigen. Bis zur vollständigen Genesung sollte man etwa drei Monate einplanen. Technisch sind die eingesetzten Prothesen sofort voll belastbar. „Das Gewebe ist durch die Operation natürlich beeinträchtigt, es muss heilen. Aber trotzdem kann die Belastung stattfinden, und sie ist auch sehr sinnvoll.“ „Fast Recovery“ bedeutet auch, die Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten zu stärken – natürlich grundsätzlich unter medizinischer Kontrolle. „Unser Ziel ist nicht, dass sie möglichst bald ein Bett frei machen, sondern es geht um einen guten Heilungsprozess, der durch eine kurzfristige Mobilisation stark unterstützt werden kann. Mit dem Liegen im Bett sind ja auch Risiken verbunden, beispielsweise die Gefahr einer Thrombose.“ Fast alle Operierten kommen schnell wieder auf die Beine: „Nur ganz wenige haben vielleicht Kreislaufprobleme und brauchen daher etwas länger“, resümiert Dr. Heiko Spank. „Aber in der Regel geht das Konzept sehr gut auf.“

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