Veröffentlicht am 25. März 2021

Nasenspray gegen Depression: Vivantes Psychiatrie setzt europaweit erstmals zugelassenes Medikament ein

Schwere akute Depressionen sind kein Schnupfen – und doch lassen sie sich ab sofort mit schnell einsetzender Wirkung durch ein Nasenspray lindern. Das Department für seelische Gesundheit in Spandau unter der Leitung der Chefärztin Prof. Dr. Stephanie Krüger war maßgeblich an der Studie beteiligt, die die Zulassung ermöglichte. Es handelt sich um die erste Zulassung eines solchen Medikaments in Europa.

An der internationalen klinischen Multi-Center-Studie, die zwischen 2017 und 2019 durchgeführt wurde, waren neben dem Vivantes Department für seelische Gesundheit deutschlandweit drei Kliniken beteiligt. 

Das Nasenspray mit dem Namen Spravato basiert auf dem Wirkstoff Esketamin, der anästhetische und schmerzlindernde Eigenschaften besitzt. In seiner abgewandelten Form als Antidepressivum vermindert er depressive Symptome bereits innerhalb von 24 Stunden signifikant. Das ist deutlich schneller als bei Tabletten, die mindestens 14 Tage brauchen, bis sich der gesundheitliche Zustand bei Patient*innen verbessert. Das liegt an einem anderen biochemischen Wirkmechanismus, zudem wird das Spray über die Nasenschleimhäute unmittelbar ins Blut aufgenommen. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass die psychische Stabilität unter der Medikation durch das Spray länger anhält als bei herkömmlicher Antidepressivatherapie.

Prof. Dr. Stephanie Krüger, Chefärztin des Departments für seelische Gesundheit am Vivantes Klinikum Spandau: „Die Zulassung des Nasensprays ist ein Durchbruch bei der Behandlung von Menschen mit schwerer, akuter Depression, die einen psychiatrischen Notfall darstellt. Ich freue mich, dass wir uns aufgrund unserer Spezialisierung im Bereich Depressionen aktiv in die Studie einbringen konnten. Gerade in depressiven Notfallsituationen, in denen eine sofortige Behandlung erforderlich ist, haben wir jetzt die Möglichkeit unseren Patienten schneller zu helfen als zuvor und damit den Weg für spezifische psychotherapeutische Behandlungen zu ebnen.“

Eingesetzt wird das Medikament bei Menschen mit schweren Depressionen, deren Zustand einen Notfall darstellt und der eine stationäre Behandlung erfordert. Das Spray wird über einen Zeitraum von vier Wochen zwei Mal wöchentlich von den Patient*innen selbst unter medizinischer Aufsicht verabreicht. Danach wird die Behandlung mit einem „klassischen“ Antidepressivum fortgesetzt.

 

Quelle: vivantes.de

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