Bakterien, Viren oder Pilze können dem Menschen erheblich zusetzen, dabei gehen sie äußerst trickreich vor. Infektiolog*innen sind daher besonders herausgefordert. Ein Blick in ein spannendes Teilgebiet der Inneren Medizin – bei Vivantes.

Angriff aus der Mikrowelt #1

Infektiologie ist die Lehre von Krankheiten, die durch Mikroben und Parasiten verursacht werden, und ein Teilgebiet der Inneren Medizin. Die Disziplin umfasst neben Diagnose, Therapie und Prophylaxe auch die Erforschung der Mikroben, Parasiten, des Immunsystems sowie die Entwicklung neuer Therapien und Medikamente. Mikroben sind winzig kleine Lebewesen, die uns umgeben: im Wasser, in der Erde, der Luft, millionenfach auch in unserem Körper (Mikroorganismen). Die häufigsten sind Bakterien, Viren und Pilze. Die Gruppe der Protozoen (Kleinstlebewesen) verursachen Krankheiten wie Toxoplasmose oder Malaria. Die meisten Bakterien gefährden den Menschen nicht. Viele von ihnen leben auf oder in unserem Körper und helfen uns, gesund zu bleiben. Milchsäurebakterien im Darm unterstützen beispielsweise die Verdauung. Andere helfen dem Abwehrsystem, indem sie Krankheitserreger bekämpfen. Grob geschätzt ist weniger als ein Prozent aller Bakterien für Krankheiten verantwortlich. Allerdings werden einige, z. B. Tuberkulose, ausschließlich durch Bakterien verursacht.

Die Entdeckung des Penicillins war ein Meilenstein in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Der schottische Bakteriologe Sir Alexander Fleming erhielt dafür 1945 den Nobelpreis. Knapp 40 Jahre später eine weitere Zäsur: 1981 berichten Ärzt*innen in den USA zum ersten Mal über das Auftreten einer neuen Krankheit bei vormals gesunden, jungen, homosexuellen Männern. Ein Jahr später werden die ersten Fälle in Deutschland bekannt: AIDS. Die wohl spektakulärste Innovation der Infektiologie in den vergangenen 22 Jahren war die Entwicklung einer Therapie gegen das HI-Virus: Aus einer tödlichen wurde eine behandelbare Erkrankung. Betroffene haben inzwischen eine fast normale Lebenserwartung und Lebensqualität. Erfolge sind auch bei Behandlungen von Hepatitis C, bei Impfungen und Antibiotika zu verzeichnen. Doch zunehmende Resistenzen und Gefahren durch Epidemien oder gar Pandemien wie derzeit Corona stellen weiterhin große Herausforderungen dar.

Angriff aus der Mikrowelt #2

Antibiotika (Medikamente) töten die Bakterien ab oder hindern sie daran, sich weiter zu vermehren. Andere Infektionen, wie zum Beispiel Erkältungen, Mandelentzündungen oder Durchfall, können zwar ebenfalls durch Bakterien verursacht werden, ursächlich sind aber zum großen Teil Viren. Antibiotika sind gegen Viren wirkungslos. Diese dringen in gesunde Zellen ein und machen uns dadurch krank. Aus der Wirtszelle heraus vermehren sie sich. Anders als Bakterien haben Viren keine eigene Zelle, sie sind deshalb auch keine Lebewesen im eigentlichen Sinne. Sie bestehen aus einem oder mehreren Molekülen und sind umgeben von einer Eiweißhülle. Die darin befindlichen genetischen Informationen brauchen die Viren, um sich zu vermehren. Viele Virenarten verursachen Krankheiten. Manche davon sind harmlos, andere ernsthaft, beispielsweise die Grippe, eine Leberentzündung (Virus-Hepatitis) oder AIDS und aktuell Corona. Viren arbeiten mit cleveren Tricks, um die menschlichen Zellen zu kapern. Nicht alle von ihnen lösen Beschwerden aus, in vielen Fällen wehrt sich der Körper erfolgreich. Medikamente tun sich relativ schwer, Viren zu bekämpfen. Impfungen „trainieren“ die Abwehr und machen den Körper dadurch weniger anfällig. Pilze sind weit verbreitet und an verschiedene Lebensräume angepasst. Wie Bakterien kommen auch einige von ihnen natürlicherweise auf der Haut oder im Körper vor, sie können aber ebenfalls Erkrankungen auslösen – diese nennt man Mykosen.

Aktuell: Covid-19-Infektionen

Die Infektiologie am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum (AVK) ist klinisch ausgerichtet. Ärzt*innen und Pflegepersonal kümmern sich um die stationäre und ambulante Versorgung von Patient*innen mit Infektionskrankheiten, nehmen aber auch an klinischen Studien zur Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten teil. Dr. Anja Masuhr ist Leitende Oberärztin in der Infektiologie am AVK, sie beschreibt die aktuelle Situation vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie: „Wir haben seit Beginn der Ausbreitung eine der beiden infektiologischen Stationen ausschließlich für Patient*innen mit nachgewiesener Covid-19-Infektion bereitgestellt. Sie müssen sehr engmaschig beobachtet werden, erhalten Sauerstoff und über die Venen Flüssigkeit und fiebersenkende Medikamente. Bei Verschlechterung der Atmung veranlassen wir auch die Verlegung auf die Intensivstation.“

Schwerpunkt HIV und AIDS

Außerhalb dieser außergewöhnlichen Situation liegt der Schwerpunkt der Infektiologie im AVK auf der Behandlung von Patient*innen mit HIV und AIDS. Dr. Anja Masuhr: „Wir verfügen in unserem Krankenhaus über eine jahrzehntelange Behandlungserfahrung. Alle Abteilungen sind mit diesem Krankheitsbild vertraut.“ Die HIV-Erkrankung ist inzwischen gut therapierbar. Zwar gibt es noch keinen Impfstoff zur Verhinderung von Infektionen, doch sogenannte „antiretrovirale“ Medikamente (gegen ein Retrovirus wie das HI-Virus gerichtet) unterdrücken die Vermehrung des Virus im Blut so weit, dass bei nicht nachweisbarer Viruslast eine Ansteckung nahezu ausgeschlossen ist. So haben die Betroffenen eine fast vergleichbare Lebenserwartung wie Menschen, die nicht infiziert sind.

Interdisziplinär arbeiten

Wie sehr die Infektiologie auf die enge Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen angewiesen ist, beschreibt die Leitende Oberärztin an einem Beispiel: „Immer noch häufig begegnen wir dem ‚late Presenter‘. Das sind Patient*innen, die bisher nicht wussten, dass sie sich mit HIV infiziert hatten, und die im Vollbild AIDS zugewiesen werden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist hier ganz wichtig, denn eine HIV-Infektion kann alle Organsysteme betreffen.“ Der fachliche Austausch und die enge Kooperation mit anderen Fachbereichen machen deutlich, wie breit die Infektiologie aufgestellt ist, und verleihen der Arbeit in diesem Bereich einen zusätzlichen Reiz. Dr. Anja Masuhr nennt weitere Beispiele: „Je nachdem, welches Organ durch die Infektion betroffen ist, ziehen wir Kolleg*innen anderer Fachrichtungen hinzu. Bei Infektionen des zentralen Nervensystems, etwa einer Meningitis, arbeiten wir eng mit den Neurolog*innen zusammen. Geht es um den Urogenitaltrakt, beispielsweise um schwere Harnwegsinfektionen oder Nierenbeckenentzündungen, ist der Austausch mit Urolog*innen wichtig, um etwa falls einen Tumor als Ursache auszuschließen. Umgekehrt ziehen Chirurgie, Orthopädie oder Wirbelsäulenspezialist*innen uns zu Rate, wenn Patient*innen nach OPs Infektionen im Bereich der Wirbelkörper oder im Gelenkimplantat bekommen. Mit den Kardiolog*innen und Gastroenterolog*innen arbeiten wir Hand in Hand, um Ursachen für Entzündungen am Herzen oder im Magen-Darm-Trakt zu finden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen ist essenziell für die optimale Behandlung, denn alle Ärzt*innen mit ihrem jeweiligen Spezialwissen sind daran beteiligt.“

Keimsuche im Labor

Über die Rettungsstelle im AVK werden der Infektiologie oft Patient* innen mit Fieber und einem unklaren Infekt zugewiesen. „Wir suchen dann, geleitet von den Beschwerden neben dem Fieber, nach dem Infektfokus“, berichtet die Oberärztin. Wichtig für die medikamentöse Behandlung ist ein enger Kontakt zu den Mikrobiolog*innen. Sie weisen im Labor aus den Blut- und Urinproben die entsprechenden Keime nach und erstellen ein „Resistogramm“, eine Antibiotika-Resistenzbestimmung. Diese gibt Auskunft darüber, gegenüber welchen Antibiotika sich ein bestimmter bakterieller Krankheitserreger resistent beziehungsweise sensibel zeigt. „Unsere Behandlung beginnen wir häufig mit einer sogenannten kalkulierten antimikrobiellen Therapie, sie hemmt zunächst das Wachstum von Mikroorganismen, zum Beispiel Bakterien. Bei Bedarf stellen wir im weiteren Verlauf auf ein Medikament um, das den im Labor identifizierten Keim am wirksamsten bekämpft.“ Trotz vieler Erfolge und Fortschritte zählen die Diagnose und Therapie von Infektionen nach wie vor zu den wichtigsten Aufgaben in der Medizin. Die Ausbreitung des Coronavirus ist dafür ein nachdrücklicher Beweis. Die Wissenschaft forscht fieberhaft nach einem Impfstoff.

Angriff aus der Mikrowelt #3

Dazu gehören zum Beispiel Fuß- und Nagelpilz-Infektionen, aber auch Lungenentzündung oder Schleimhautentzündungen im Mund oder an Geschlechtsorganen. Bei einem schwachen Immunsystem können sie sich lebensbedrohlich entwickeln. Pilze haben auch hilfreiche Eigenschaften: Die Entdeckung des Penicillins verdanken wir etwa einem Schimmelpilz, aus dem dieses Antibiotikum gewonnen werden kann. Zu den Parasiten zählen Läuse, Zecken und Würmer. Die Schmarotzer nisten sich beim Menschen ein. Ekto- oder Außenparasiten, wie Milben, Zecken, Läuse, Flöhe, Wanzen oder Mücken, leben auf der Körperoberfläche. Auch sie können Erkrankungen auslösen oder Infektionen übertragen. Endoparasiten wie Würmer oder Egel siedeln sich dagegen im Inneren des Wirts an, häufig im Darm, aber auch in anderen Organen, beispielsweise in der Leber, der Haut oder den Muskeln. Parasiten haben eines gemeinsam: Sie legen Eier und vermehren und verbreiten sich auf diese Art.

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