Veröffentlicht am 18. Mai 2021

Die "neue" Infektiologie im Einsatz gegen HIV/AIDS, Corona & Co.

Dr. Caroline Isner, Chefärztin der Klinik für Infektiologie hat Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum das Ziel für HIV-Patient*innen da zu sein und das Antibiotic Stewardship weiterzuentwickeln.

Interview mit Dr. Caroline Isner zum Thema HIV/AIDS

Mitten in der Corona-Pandemie hat die vielleicht bekannteste HIV/AIDS-Klinik Deutschlands eine neue Chefärztin bekommen. Dr. Caroline Isner hat am Schöneberger Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum nicht nur das Ziel, weiterhin für HIV-Patient*innen da zu sein, sondern auch, das Antibiotic Stewardship weiterzuentwickeln. Was das auch in Zeiten von COVID-19 bedeutet, erklärt die Infektiologin im Interview.

Fangen wir mit dem aktuellsten Thema an: Was bedeutet Corona für Menschen mit HIV/AIDS?

Dr. Caroline Isner: Wir wissen inzwischen, dass Patient*innen mit einer virologisch kontrollierten HIV-Erkrankung und einer Helferzellzahl > 200 nicht zur Risikogruppe bezüglich schwerer COVID-19 gehören. Das haben bereits erste Studien gezeigt.

Wie funktioniert die Patientenversorgung unter Corona-Bedingungen? Wie klappt das in den Tageskliniken?

Isner:Unsere Tagesklinik betreut weiterhin und in vollem Umfang unsere Patient*innen mit HIV/AIDS-, aber auch infektiologische Patient*innen. Um ein Ansteckungsrisiko zu vermeiden arbeiten alle Mitarbeiter*innen mit FFP-2 Maske und es wurden spezielle Hygienemaßnahmen eingeführt. Zudem sind wir über unseren infektiologischen Rufdienst und unsere Tagesklinik für unsere Patient*innen mit HIV/AIDS immer erreichbar, auch am Wochenende.

Haben Ihre Patient*innen Angst, sich mit Corona anzustecken?

Isner: Ich finde es sehr nachvollziehbar, wenn Patient*innen besorgt sind, sich in der Klinik mit Corona zu infizieren. Um dies zu verhindern haben wir auch im Krankenhaus spezielle Hygienemaßnahmen ergriffen und an die jetzige Situation angepasst. Bei Aufnahme werden all unsere Patient*innen auf Corona getestet und in Einzelzimmern untergebracht. Zudem trägt das gesamte medizinische Personal eine FFP-2 Maske beim Eintreten in die Patientenzimmer, auch wenn diese negativ getestet wurden. Wir bieten zudem eine psychologische Betreuung durch unsere sehr guten Psychiater*innen an, die besorgten Patient*innen bereits sehr weiterhelfen konnten.

Wie ist die Klinik auf die so genannte „zweite Corona-Welle“ vorbereitet?

Isner: Um die Versorgung von COVID-19 Patient*innen zu gewährleisten wurden bereits mehrere Stationen im AVK umorganisiert. Im November wurde zudem das AVK mit mehr Personal vom Tempelhofer Standort verstärkt. Es werden tägliche Konferenzen zwischen den einzelnen COVID-19 Stationen einschließlich ITS und Notaufnahme sowie der Geschäftsführung gehalten, um kurzfristig auf die neuen Ereignisse und Gegebenheiten reagieren zu können.

Sie sind als Chefärztin im Corona-Jahr 2020 an das Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum, auch gerne „AVK“ abgekürzt, gewechselt – warum?

Isner: Das AVK ist eines der wenigen Krankenhäuser in Berlin mit einem eigenständigen infektiologischen Fachbereich. Es ist international bekannt für seine herausragende Behandlungsqualität bei AIDS und HIV, aber auch anderen Infektionskrankheiten. Auch die einzigartige Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen sowie den niedergelassenen Kolleg*innen und der Berliner AIDS-Hilfe sind einzigartig. Fast jede*r niedergelassene HIV-Schwerpunktärzt*in in Berlin hat einen Teil der Facharztweiterbildung am AVK absolviert.

Welche Schwerpunkte setzen Sie?

Isner: Unser Schwerpunkt bleibt ganz klar HIV/AIDS. Durch meine Tätigkeit in New York und Los Angeles habe ich auf diesem Gebiet sehr viel Erfahrung gesammelt und von den besten HIV-Ärzt*innen lernen dürfen. Die damalige HIV/AIDS-Epidemie ist auch ein Grund, weshalb ich Infektiologin geworden bin. Die Infektiologie steht insgesamt vor immer größeren Herausforderungen, nicht zuletzt durch den Einsatz von Implantaten, Transplantationen und immunsupprimierenden Therapien. Ein weiterer Schwerpunkt liegt deshalb auf schwer zu behandelnde oder diagnostizierbare Infektionen. Darüber hinaus werden wir in allen Krankenhäusern bei Vivantes ein Antibiotic Stewardship einführen und weiterentwickeln.

Was bedeutet das „Antibiotic Stewardship“ (ABS) konkret?

Isner: ABS bedeutet eine rationale, also umsichtige Antiinfektivatherapie im Krankenhaus, um langfristig die Behandlungsqualität der Patient*innen zu verbessern und auch langfristig multiresistente Erreger zu reduzieren. Dabei spielen vier Fragen eine entscheidende Rolle: Sind die verordneten Antibiotika überhaupt indiziert oder kann es sogar abgesetzt werden? Ist es überhaupt das richtige? Stimmt die Anwendungsdauer? Ist die Dosierung sinnvoll? Kann ein Antibiotikum mit einem sehr breiten Spektrum durch ein Schmalspektrum-Antibiotikum ersetzt werden? Hierfür führen wir u.a. wöchentliche ABS-Visiten auf allen Intensivstationen und Stationen mit hohen Antibiotikaverbräuchen durch und halten viele Fortbildungen zu einzelnen infektiologischen Themen.

Was kann sich durch eine solche umsichtige Antiinfektivatherapie ändern?

Isner: Durch eine rationale Anwendung von Antibiotika können wir die Behandlungsqualität und Patientensicherheit deutlich erhöhen, langfristig Multiresistenzen und Liegezeiten senken und nosokomiale Infektionen reduzieren.

 

Quelle: vivantes.de

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