Veröffentlicht am 15. Mai 2017

Alkohol steigert das Krebsrisiko

Ein frisch gezapftes Bier in der Kneipe, das Glas Rotwein zum Abendessen, der Sekt auf der Geburtstagsfeier – Alkohol gehört in unserer Gesellschaft zum Alltag dazu. Gesundheitliche Risiken? Da winken die meisten ab. Dabei können bereits geringe Mengen Alkohol Krebs auslösen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung beklagt, dass 9,5 Millionen Deutsche „Alkohol in gesundheitlich riskanter Form konsumieren“. Durchschnittlich nimmt jeder Bundesbürger jährlich nahezu 10 Liter reinen Alkohol zu sich. Fast 90 Prozent der Erwachsenen trinken Alkohol, jeder siebte trinkt zu viel, knapp 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Experten sind sich sicher: Der Konsum von Alkohol und das Entstehen von Krebs stehen miteinander im Zusammenhang.

Je mehr Alkohol, desto höher das Krebsrisiko

Alkohol soll ein direkter Auslöser für sieben Arten von Krebs sein – in Leber, Brust, Rachen, Mundhöhle, Speiseröhre, Kehlkopf sowie in Dick- und Enddarm. Dabei besteht eine eindeutige Dosis-Wirkung-Beziehung: Je mehr Alkohol getrunken wird, desto höher ist das Risiko, an Krebs zu erkranken. Die deutsche Krebsgesellschaft geht davon aus, dass das Risiko für Krebs in Mundhöhle, Rachen und Speiseröhre schon ab einem Glas (10 g) pro Tag steigt, für Erkrankungen des Kehlkopfes, der Bauchspeicheldrüse und des Dick- und Enddarms bei vier Gläsern täglich.

Tabak wirkt verstärkend

920 Zigaretten qualmt jeder Bundesbürger im Durchschnitt pro Jahr. Für viele gehört eine Zigarette zum Alkoholgenuss dazu – doch beide Faktoren beeinflussen das Krebsrisiko. Dabei addieren sich die einzelnen Risiken nicht nur auf, sondern sie verstärken sich gegenseitig. Die Folge: Statistisch gesehen tragen Menschen, die übermäßig viel Alkohol trinken und auch noch rauchen, ein mehrfach höheres Risiko, an Krebs zu erkranken, als die Menschen, die nur Tabak oder nur Alkohol konsumieren. Bis jetzt nur eine abwegige Vorstellung: Schockbilder mit Krebsmotiven nicht nur auf Zigarettenverpackungen, sondern auch auf Etiketten von Bier-, Wein- oder Sektflaschen. Vielleicht müssen wir uns bald daran gewöhnen?

Über den Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs sprach „gesund!“ mit Prof. Dr. med. Hans Scherübl, Chefarzt Klinik für Innere Medizin – Gastroenterologie, Gastrointestinale Onkologie und Infektiologie am Vivantes Klinikum Am Urban.

Herr Professor Scherübl, wie begünstigt übermäßiger Alkoholkonsum den Ausbruch insbesondere der erwähnten Krebserkrankungen?

Alkohol ist ein gutes Lösungsmittel für viele krebserregende Stoffe wie z. B. Tabakinhaltsstoffe, die in Alkohol gelöst leichter in unsere Zellen eindringen und sie schädigen können. Alkohol wird im Körper abgebaut zu dem schädlichen Stoffwechselprodukt Acetaldehyd – und das wirkt krebserregend.

Hängt das Risiko ausschließlich von der Menge des konsumierten Alkohols ab oder gibt es auch eine erbliche Veranlagung?

Auch erbliche Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Jeder von uns trägt im Zusammenhang mit Alkoholkonsum ein anderes Risiko. So können z. B. 40 Prozent der Japaner aufgrund eines Gendefekts die beim Alkoholgenuss anfallende Substanz Acetaldehyd nicht abbauen. Diese Erbanlage steigert bei den Betroffenen, sofern sie trinken, das relative Krebsrisiko um das 50- bis 60-Fache. Ist ein individuelles genetisches Risiko nicht bekannt, gilt als allgemeine Regel: Männer sollten sich auf maximal zwei Drinks ( je 12 g Alkohol) pro Tag und Frauen auf maximal einen (12 g) beschränken.

Warum ist die Kombination von Alkohol und Rauchen so gefährlich?

Wer viel raucht und viel trinkt, steigert beispielsweise sein persönliches Risiko, an Plattenepithelkrebs der Speiseröhre zu erkranken, bis auf das 50-Fache. Auf Alkohol zu verzichten fällt den meisten leichter, als das Rauchen aufzugeben. Sollten Sie bereits jahrelang viel Alkohol (und Tabak) konsumiert haben, dann ist mein Rat, jetzt Vorsorgeuntersuchungen des Dickdarms, der Speiseröhre und bei Frauen eine Mammografie durchführen zu lassen.

Dr. Toni Fischer-Medert ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe im Vivantes Brustzentrum im Klinikum Am Urban. Sie erläutert, wie Alkoholkonsum das Erkrankungsrisiko für Brustkrebs bei Frauen beeinflusst.

Die genaue Wirkung von Alkohol auf das Brustgewebe ist noch nicht endgültig geklärt. Studien zeigen jedoch, dass es einen eindeutigen Zusammenhang gibt zwischen Alkoholkonsum und dem Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Ethanol erhöht unter anderem den Spiegel weiblicher Geschlechtshormone wie Östrogen im Blut und führt so zu einem höheren Brustkrebsrisiko. Des Weiteren verursacht Alkohol sogenannten oxidativen Stress im Körper und begünstigt damit die Entstehung von Krebs. Fakt ist: Wer regelmäßig Alkohol trinkt, trägt ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, egal ob junge Frauen oder Frauen in den Wechseljahren. Die Art der Getränke spielt dabei keine Rolle, Wein ist also nicht etwa ‚gesünder‘ als Bier. Die Menge allein gibt den Ausschlag, und so steigt mit jedem Glas Alkohol das Brustkrebsrisiko linear an.

Studien zeigen einen Anstieg des Brustkrebsrisikos pro 10 g aufgenommenem Alkohol (etwa einem Glas Wein entsprechend) um 7 Prozent. Ein halber Liter Wein täglich (etwa 40 g Alkohol) steigert das Erkrankungsrisiko demnach um etwa 28 Prozent, wobei hier der regelmäßige (tägliche) Konsum ausschlaggebend ist. Eine absolut risikofreie Untergrenze kann nicht definiert werden – es gilt eindeutig: je geringer der regelmäßige Alkoholkonsum, desto besser.

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